Herzlichen Dank

Nach kaum 9 Jahren und 8 Monaten, 17 Kammerversammlungen, 98 Vorstandssitzungen, 65 Editorials und 12 Bundesversammlungen geht meine Legislaturperiode als Kammerpräsident zu Ende. Dazu kamen Bürozeit und Termine in der Kammer, Ausschüsse, Kreisstellen- und Bezirksstellenversammlungen, Zahnärztetage, Klausurtagungen, Bundesvorstand, Koordinierungskonferenzen, Freisprechungen, Jubiläen, Fortbildungen, Veranstaltungen der Nachbarkammern, Treffen mit wichtigen Leuten und welchen, die sich für wichtig halten, und nicht zuletzt Anrufe während der eigenen Praxissprechstunde und Aktenstudium abends, nachts und am Wochenende zu Hause.

Sehr häufig wurde ich von Freunden mit einem mitleidigen Unterton gefragt: „Arbeitest Du überhaupt noch in der Praxis?“. Die meisten Fragenden wissen, dass ich mir keinen schöneren Beruf als Zahnarzt zu sein für mich vorstellen kann. Anfangs habe ich die Frage gar nicht richtig verstanden; Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen zu sein ist ein Ehrenamt und kein Hauptamt. „Ja natürlich arbeite ich so weiter in der Praxis wie vorher“, war meine Antwort. „Wir hatten bereits vorher einen strikten Schichtdienstplan, die Kammer ist lediglich 3,5 km von der Praxis entfernt und ich brauche wohl wenig Schlaf.“ Ich wusste aber auch, dass diese zusätzliche Belastung nur zu ertragen ist, weil ich meinen Beruf liebe und noch viele Jahre erfolgreich auch als Zahnarzt weiterarbeiten möchte. Was könnte da motivierender sein, als diese Zukunft selbst mitzugestalten?

Der Freie Verband hatte mich 2010 nominiert, sehr viele Wähler haben mir im voraus ihr Vertrauen ausgesprochen, die Mitglieder der Kammerversammlung haben mich mehrheitlich gewählt und über die Jahre auch meine Vorstellung von Standespolitik unterstützt. Der gesamte Vorstand hat mit mir gemeinsam Pläne erarbeitet und umgesetzt, die Verwaltung hat uns vom ersten Tag an tatkräftig und loyal unterstützt.

Die Patienten unserer Praxis, die uns zum Teil seit Jahrzehnten treu sind, sind es auch – trotz gelegentlicher Um- und Abbestellungen – geblieben. Unsere Praxismitarbeiterinnen haben sich auch für Kammerbelange engagiert; unser Kollege und nicht zuletzt meine Frau als Kollegin haben mir die Arbeiten abgenommen, die nicht zu verschieben oder abzubestellen waren.

Nicht zuletzt hat meine Frau als Kollegin, Praxispartnerin und Ehefrau mein Engagement unterstützt, und meine Kinder haben es akzeptiert.

„Lohnt sich das Präsidentenamt denn?“ Wenn die Fragenden den finanziellen Aspekt meinten, habe ich lieber nicht die Aufwandsentschädigung mit der dafür aufgewendeten Zeit verglichen. Ehrenamtliche Tätigkeit kann nicht nach Aufwand und Nutzen berechnet werden. Mir hat es – neben manchem Ärger, der mir sonst erspart geblieben wäre und der vielfach auch unnötig von eigenen Kollegen verursacht wurde – auch sehr viele Kontakte mit wertvollen Menschen innerhalb und außerhalb unseres Berufsstandes gebracht. Damit meine ich nicht nur den Wert für die Kollegenschaft, sondern auch für mich persönlich.

„Habe ich alles richtig gemacht?“ Alles sicher nicht. Die Umbesetzung der Redaktionsleitung der ZKN Mitteilungen 2013 und die Nichtwiederwahl von Dr. Schirbort (77) in den Leitenden Ausschuss des AVW haben mir sehr viel Ärger im eigenen Verband eingebracht. Beide Maßnahmen waren aber auch aus heutiger Sicht und vor allem im Blick auf die Zukunft notwendig: Hin zu einem Zahnärzteblatt und hin zu einer Vertretung beider standespolitischer Verbände im Leitenden Ausschuss.

Das einstimmige Votum der Kammerversammlung für die wesentlichen Anträge wie Haushalt und AVW sind immerhin eine wohltuende Bestätigung und entsprechen nicht dem Bild, das einige als „niedersächsische Verhältnisse“ pflegen wollen. Von einer Einheit des Berufsstandes sind wir aber immer noch weit entfernt, und überhaupt wünsche ich mir natürlich eine größere aktive Beteiligung der Kollegenschaft an berufspolitischen Fragen.

Das faire Miteinander von Allgemeinzahnarzt und Fachzahnarzt, von Praxis und Wissenschaft war und ist mein oberstes Ziel, zum Wohl des ganzen Berufsstandes.

Viele von Ihnen haben nicht nur Fragen und Forderungen gestellt, sondern mir auch gute Ratschläge gegeben und ihre Mithilfe angeboten.

Ich stehe Ihnen gerne eine weitere Legislaturperiode zur Verfügung – andere Kandidatinnen/Kandidaten wurden Ihnen bislang nicht präsentiert.

Ihr

Dr. Michael Sereny